Mein Blick aufs Thema Bulimie

Bulimie ist eine vertrackte Ess-Störung mit einer hohen Dunkelziffer und chronifiziert leicht.

Es gibt Betroffene, die von den aktuell in Kliniken angebotenen Maßnahmen sehr profitieren und ihr Leiden loswerden.

Dann gibt es Frauen (zwar stieg in den letzten Jahren der Anteil der an Bulimie leidenden Männer, aber er ist noch immer sehr gering. Nach wie vor, sind allermeistens Frauen davon betroffen.) , die in jüngeren Jahren diesen Weg auch schon gingen oder sich ambulante Hilfe suchten und dennoch kaum Veränderung erlebten.

Diese leben schon jahrzehntelang mit der Ess-Störung. Manche verbergen ihre Bulimie weiterhin, andere weihen zumindest wenige nahestehende Personen ein.

Aus den Gesprächen mit erkrankten Frauen weiß ich, dass sie einerseits sehr gerne die Ess-Störung los wären, sich andererseits ein bulimiefreies Leben gar nicht mehr vorstellen können.

Sie fühlen sich macht- und hilflos der Ess-Störung gegenüber.

 

 

Man darf sich diese Menschen nicht als willenlose Wesen vorstellen. Neben ihrem bulimischen Leben gehen sie z.B. einer Arbeit nach, haben Kinder, eine Familie, kochen für andere, gehen einkaufen und in den Sport. Nach außen wirkt der Lebensstil unauffällig.Allerdings ist die wenige Freiheit, die sie haben, meist in den Fängen der Bulimie, die über die Jahre ihre Rituale, Versteckstrategien und manchmal sogar ein Zeitkorsett erschaffen hat.

 

Solch ein Leben klingt ganz schön anstrengend.

 

Die Betroffenen wissen zudem oft, dass ihre Erkrankung im ungünstigsten Fall sogar tödlich verlaufen kann, was ihnen jedoch nicht hilft, sich zu befreien.

Frappierenderweise begann die Bulimie oft mit dem Gedanken, endlich den eigenen Körper zu beherrschen und eine Form der Bewältigungsstrategie zu erschaffen.

 

Eine bestehende Bulimie dreht den Spieß einfach um, sie bestimmt plötzlich das Leben und sagt an, wie das Leben der Erkrankten zu laufen hat. Sie wird zum Selbstläufer.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jahrelang an Bulimie Leidende es nicht leiden können, in einer Therapie in ihrer Autarkie und Mitbestimmung behindert zu werden.

Verständlich, denn es darf nicht vergessen werden, dass diese die anderen Gebiete ihres Lebens gut bewältigen und sehr wohl in der Lage sind, zu entscheiden und bestimmen.

 

In den Therapiesitzungen mit mir geht es nicht schnöde ums Essen, Essenszeiten oder gesunde Ernährung. Es geht um den eigenen Weg, das Finden der eigenen Schritte und aus einem ersten kleinen Ziel ein weiteres größeres zu machen und sich die eigene Freiheit mehr und mehr zurückzuholen. Das Austesten des Kontrollbedürfnisses – wo kann ich Kontrolle abgeben, wo noch nicht – ist dabei für beide Seiten ein wesentlicher Aspekt.

 

Betroffene hassen besonders, wenn über ihren Kopf hinweg entschieden wird und einfach standardisierte Therapiemanuale abgespult werden. Aus meiner Sicht ist ein ganzheitliches Vorgehen zielführend, das mit kleinen bewältigbaren Schritten den neuen Weg erschafft.

 

Bulimie ist zumeist gegenüber Zwang und Druck von außen resistent. Es gilt also, mit Fingerspitzengefühl und einer machbaren individuellen Strategie vorzugehen. Zwischenkalibrierungen helfen, den Fortschritt zu messen und eine andere Bewertung von eventuellen Hindernissen zu erfahren.

Der erwähnte Druck verstärkt die Gefühle von Schuld und Scham und bewirkt eher Rückzug als Schwung. Die Hilflosigkeit beim Umgang damit kann bulimisches Verhalten wieder verstärken.

 

Wer etwas gegen die jahrzehntelange Bulimie unternehmen möchte, benötigt Geduld mit sich und dem Prozess und die Bewusstheit, dass Dranbleiben essentiell ist. Die Erkrankung wird aufrecht gehalten durch ein gewisses Paket an Überzeugungen, Bewertungen und Gedanken, die mal mehr mal weniger bewusst sind und oft einen Mechanismus darstellen, der diese Ess-Störung weiter bedingt und am Leben hält.

 

Es ist durchaus auch möglich und sinnvoll, vor den eigentlichen Therapiestunden die eigene Motivation gemeinsam mit der Therapeutin oder dem Therapeuten zu klären und zu festigen.

 

Der Weg in die Freiheit lohnt sich immer .

 

Ich bin dabei gerne die Begleitung.

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Anmerkung:

dieser Beitrag beschreibt meine persönliche Sicht, bedingt durch die praktischen Erfahrungen in der Zusammenheit mit meinen Klientinnen.

Bild aus https://pixabay.com/de/labyrinth-l%C3%B6sung-verloren-problem-1804499/

 

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