Hunger ist nicht der Feind

Er ist wichtig und notwendig. Ihn empfinden zu können, er ist uns angeboren.

Er ist Folge eines komplexen Zusammenspiels von Hormonen und Botenstoffen im Körper.
Hätten wir keinen Hunger, woher wüssten wir sonst, dass es an der Zeit wäre, etwas zu sich zu nehmen, weil unsere Energiereserven erst mal wieder aufgebraucht sind?

Wir brauchen das klare Signal des Körpers.

Unser natürlicher Hunger zeigt uns auch, dass wir eventuell nicht ökonomisch und verbrauchsfreundlich gegessen haben, wenn er schneller als erwartet wieder auftritt.
Er zeigt uns nach Anstrengung, dass der Körper wieder Treibstoff benötigt. Der Organismus ruft danach versorgt zu werden. Ein ganz natürlicher Vorgang. Und das ist gesund.

Jedoch in Definitionen wie z.B. bei Wikipedia* kann man nachlesen, dass Hunger eine „unangenehme körperliche Empfindung“ ist.

Was macht Hunger aber unangenehm?

 

 

Zum einen ist es die Art der Ausprägung:

ist der Hunger noch leicht, stark oder sogar so heftig, dass der Magen krampft?

Überfällt er einen überraschend und mit voller Wucht und verpasst dabei ein richtiges Schwächegefühl?

Letzteres ist übrigens der sogenannte Heißhunger.

Ein stärkerer Hunger oder gar ein Heißhunger sind zweifellos unangenehm.

 

Der andere Aspekt, der Hunger unangenehm macht, ist wie man ihn betrachtet oder bewertet.

Dabei kommt es nicht auf die Art der Ausprägung an, sondern auf die persönliche Einstellung zu dieser körperlichen Reaktion.

 

Hunger wird in unserem Kulturkreis bekämpft und mit Argwohn betrachtet.

Hunger in der Welt der Satten wird mit Appetitzüglern und Hungerblockern und Sättigungsmitteln bekämpft.
Damit wird suggeriert, dass Hunger an sich dick macht. Am besten, man hat den erst gar nicht.
Hunger ist ein Feind.
Viele Absichten abzuspecken scheitern an der Angst vor dem Hunger, der durch weniger Essen entstehen könnte.

Angst davor, sich gegen die Übermacht des Hungers nicht wehren zu können, ihm ausgeliefert zu sein, keine Kontrolle oder innere Stärke zu besitzen.

Das klingt nach ganz viel Stress.

Und plötzlich schiebt derartiges Denken ein ganzes Gedankenkarussell an und schon vorhandener Hunger wird abrupt stärker oder falls er noch nicht da war, tritt er plötzlich auf.

 

Psychischer bzw. dauerhafter Stress kann Hunger verstärken oder gar hervorrufen.

 

Dafür gibt es eine Erklärung: unter Stress benötigt das menschliche Gehirn mehr Energie. Damit diese aufgenommen wird, schickt es Hungersignale, die meist mit einem deutlichen Verlangen nach Süßem bzw. Kohlenhydraten einher gehen.

Denn der Treibstoff des Gehirns ist Traubenzucker bzw. Glukose.

Dieser Zucker ist allgemein gesprochen die Baugrundlage aller Kohlenhydrate.

Bisher haben wir erfahren, dass es für eine negative Auffassung von körperlichem Hunger auf die Stärke der Ausprägung des körperlichen Hungers ankommt und auf die persönliche Bewertung des Hungergefühls generell.

Jedoch ist Hunger – ob rein körperlich oder psychisch bedingt – stets der Indikator, also der Schlüssel, der das Tor zur Lösung öffnet.

 

Wie kann es ein Mensch schaffen, positiver mit dem Thema Hunger umzugehen?

 

 

Zeitnah und achtsam

 

Auf der körperlichen Ebene, also der Ebene des natürlichen Hungers, bietet es sich an, zu trainieren wieder zeitgerecht und achtsam reagieren zu können.

Das heißt durch Beobachtung und Notieren den Zeitpunkt zu erkennen, bei dem der Hunger bereits genügend ausgeprägt ist, um wieder Nahrung zu sich zu nehmen, jedoch noch nicht so fortgegeschritten ist, dass er quälend wäre.

Im Idealfall hast Du für Dich vorgesorgt und die passenden Lebensmittel in angemessener Menge zur Hand, um Deine Energie aufzufüllen.

Genieße natürliche Lebensmittel. Auch Zusatzstoffe, Glutamat, Diät- und Fertigprodukte können Deinen Hormonstoffwechsel durcheinanderbringen und mehr Hunger erzeugen.

Es ist Dein grundlegendes Recht, Dich jederzeit gut versorgt zu fühlen.

 

Verlassen des Gedankenkarussells und Bewältigung von Stress

Vor allem tief sitzende Überzeugungen, ungestillte Bedürfnisse und Ängste bewirken, dass das Gehirn dauerhaft seinen Glucose-Bedarf erhöht.

Doch diese zu erkennen, ist gar nicht so einfach.
Hier ist es sinnvoll, sich professionellen Beistand zu gönnen.

Wäre es leicht, Deinen inneren Stress alleine durch ausgiebige Schaumbäder, den Kauf von neuen Schuhen, endlose Telefonate mit Freunden oder Entspannungskurse (wie in vielen Zeitschriften stets empfohlen) zu lösen, hättest Du diese Probleme schon längst nicht mehr.

Was Du selbst zur Überbrückung tun kannst:

um sich wenigstens zeitweise zu mehr Abstand zu verhelfen , ist es eine gute Möglichkeit, einfach mal was Anderes zu machen, sich nicht ständig in den eigenen Stress und die negativen Emotionen hinein zu versenken.

Mach was   komplett   Anderes.

Spontan.

Unkompliziert.

Wechsle den Raum. Oder geh kurz Luft schnappen. Oder mach den Fernseher aus. Oder leg die Beine hoch. Sage innerlich „Stopp!“ oder sag´s es auch laut. Wie Sie wollen. So oft Du willlst und kannst

Mach was Anderes. Schaffe Abstand.

Klingt zu einfach? Probier´s aus!

Du hast Besseres verdient, als Dein Gehirn non-stop vom inneren Stress beherrschen zu lassen.

 

 

*(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hunger)

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