Dickmacher Angst

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Ich erlebe immer wieder Menschen, die sich in einer Dauerdiätschleife befinden. Dabei ist es unwesentlich, ob sie tatsächlich übergewichtig sind oder nicht oder diese „ominösen 2-5 Kilos zuviel“ mit sich tragen.

Von dieser Personengruppe hört man Sätze wie: „Ich brauche den Kuchen nur anzuschauen und habe gleich ein Kilo drauf.“ oder „Ich lasse ja schon die Kohlenhydrate weg und nichts tut sich.“ oder auch „Ich esse nach Plan .“ bzw. „Ich esse nur gesund.“

Aus Ernährungsprotokollen dieser Menschen weiß ich, dass sie eines gemeinsam haben: sie essen kalorisch betrachtet zu wenig. Der Stoffwechsel ist im Bunker- und Überlebensmodus und freut sich über jede neue Kalorie, denn diese wird gleich in Speicherfett umgesetzt.

Erfahren diese Menschen, dass sie ja zu wenig zu sich nehmen und deshalb diesen raffgierigen Stoffwechsel hätten, nehmen sie diese Feststellung mit ihrer Vernunft und Intelligenz als klar nachvollziehbar an. Dennoch gelingt es ihnen oft nicht, endlich einen anderen Weg zugunsten ihres Körpers einzuschlagen.

Was steht also im Weg?

Es ist ein ganzes Bündel an Ängsten, die genährt werden von tiefliegenden – meist älteren – Überzeugungen oder auch Glaubenssätzen.

Ängste haben die Eigenschaft, sofort – und es fängt gerne unbewusst an – ein Zukunftshorrorszenario im Kopf hervorzurufen, dem durch die Schrecklichkeit der entstehenden Bilder einfach geglaubt wird.

Was ist die Schreckensbotschaft der Ängste?

Z.B.: „Wenn Du den Kuchen/das Stück Schokolade/die Chips etc. isst, kannst Du nie wieder aufhören.“ oder „Du musst Dich kontrollieren, sonst passt Du nur in Übergrößen.“ oder „Wer zunimmt, lässt sich gehen bzw. ist schwach.“ oder „Wenn ich zunehme, lachen andere über mich.“ oder „Du darfst nicht schwach wirken.“ oder „Mit Übergewicht finde ich keinen Partner und bleibe einsam.“

Unsere Gesellschaft, unser Schönheitsideal, die Botschaften der Kleidungs- und Werbeindustrie pflanzen tagtäglich die dahinter liegenden Überzeugen in unser Denken ein.

Eventuell werden und wurden manche Menschen auch schon in der Familie seit der Kindheit und Jugend mit Sprüchen konfrontiert wie: „Wenn Du weiter so dick wirst, findest Du nie einen Mann/eine Frau/ wirst Du krank/lachen andere über Dich.“ Das ist besonders hart, denn Kinder und Jugendliche haben ja nur ein Nest, dem sie vertrauen und die Liebe und Harmonie der Familie gegenüber ist ihnen wichtig. Also glauben sie dem, was die Familienmitglieder sagen. Die Großen müssen es ja schließlich wissen. Dass dabei Erwachsene eigene Ängste und Vorurteile in die Kinder implantieren, ist oft nicht bewusst.

Sämtliche von außen herangetragenen Überzeugungen haben den Dauerdiätern nur eines gebracht:

Entfremdung von sich selbst und vom eigenen Körper.

Dies kann möglicherweise noch weitere Schleifen ziehen wie eine mangelnde Selbstakzeptanz, zu wenig Erfüllen eigener Bedürfnisse, Depressivität, schlechtes Selbstwertgefühl, Misstrauen gegenüber dem eigenen Körper usw.

Damit Dauerdiäter sich endlich wieder trauen, ihren Stoffwechsel auf natürliche Art und durch ausreichende Nahrung anzufeuern, gilt es, zunächst die Basis zu stärken und sie dabei zu unterstützen, eine wohltuende Distanz zu den blockierenden Überzeugungen und Ängsten aufzubauen, was übrigens schneller gelingen kann, als man zunächst meint.

Wer Ängste erfährt, erlebt dabei zwangsläufig Stress. Zur Besänftigung des Stresses schüttet der Körper das Hormon Cortisol aus, das nicht nur die Stresshormone abbaut, sondern auch noch den Stoffwechsel verlangsamt – abhängig von der ausgeschütteten Cortisolmenge .

Die Bekämpfung innerer Ängste kann also auch dafür sorgen, dass zusätzliche hormonelle Stoffwechselbremsen gelöst werden.

Stressbekämpfung ist viel mehr als nur seelische „Wellness“, sie sorgt zudem tiefgreifend für eine funktionierende Biochemie und so einen besser funktionierenden Körper.

Ein Gedanke zu „Dickmacher Angst

  • 22. Januar 2018 um 10:57
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    Vielen Dank für diesen Artikel. Stress ist eine der großen Plagen unserer Zeit mit riesigen Auswirkungen auf unsere Körper und vor allen Dingen unsere Lebensqualität.

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