9 Fakten für mehr Licht im Dunkel von Ängsten, Phobien und Panik

Ich bin gerne im Schwarzwald auf meinem Mountainbike unterwegs und dabei kommt es immer wieder vor, dass die Strecke über sogenannte Single Trails führt, was so viel wie Trampelpfad bedeutet.

Wurzeln, dicke Steine, Geröll und lockerer Boden machen diese Wege oft aus. Und wenn es dann noch schön steil wird, kann es vorkommen, dass ich Muffensausen bekomme und lieber absteige.

Das sind dann Momente, bei denen ich einmal meinem Rad , dann meinen Fahrkünsten und eben dem Weg nicht traue.

Ich merke dann richtig, wie sich der Kopf einschaltet und die Furcht vor Verletzungen mir die rote Karte zeigt und ich kurz absteige.

An sich ist das ja nicht schlimm und so mancher wird vielleicht sagen, dass ich ja doch vernünftig gehandelt habe.

Es ist auch tatsächlich kein Problem, schließlich habe ich nicht vor, an irgendwelchen Radrennen teilzunehmen, sondern fahre aus purem Spaß.

In solchen banalen Situationen verblüfft mich, wie automatisch sich angsterzeugende Gedanken einschalten.

Als ob jemand einen Knopf gedrückt hätte.

Mir persönlich hilft dann Analyse und Ruhe, um mir eine Strategie zu erstellen.

Ich weiß zudem sehr wohl, dass das Befahren von Single Trails eben die Erfahrung macht.

Ich weiß außerdem, dass auch die abenteuerlichen Wege mit einem guten Rad und der richtigen Technik zu befahren sind und es mir meist auch gut gelingt. Die Übung macht es einfach

Mit (pathologischen) Ängsten und Phobien verhält es sich ähnlich. Ratz-Fatz erscheint das Kopfkino angsterzeugender und verstärkender Gedanken.

Mit Nüchternheit betrachtet wissen Betroffene sehr wohl, dass ihre Befürchtungen das übliche Maß übersteigen, aber sie können ihr Denken nicht aufhalten.

Das dabei entstehende Gefühl der Hilflosigkeit können Außenstehende oft nicht nachvollziehen und halten es stellenweise für übertrieben, wodurch sich manche an Ängsten leidende Personen zurückziehen und lieber still vor sich hin leiden und sich schämen.

Sie schämen sich für ihre Schwäche und dafür, dass sie ihre Vernunft nicht genug bündeln können, um das Kopfkino zu stoppen .

Licht am Ende des Tunnels 

Scham hat bekanntlich Schuldempfinden im Gepäck dabei und so ist es nicht verwunderlich, dass es bei Angsterkrankungen eine hohe Dunkelziffer gibt und so mancher glaubt, dass es aus diesem Leiden kein Entrinnen gäbe und man zwangsläufig damit zu leben habe.

Es gibt Angstpatienten, die durch vernunftbasierte Methoden wie Verhaltenstherapie ihr Leiden in den Griff bekommen oder gar ablegen. Dann gibt es Betroffene, denen dies trotz Erledigen der Übungen weniger oder nicht gelingt und die einen anderen Weg benötigen.

Angst per se ist eine sinnvolle Sache.

Sie hindert mich z.B. daran, zu risikofreudig durch die Natur zu düsen. Angst schützt uns vor wilden Tieren, Feinden und Naturereignissen.

Sie macht uns fluchtbereit.

Als Kind hatte mich der Band „Asterix und Obelix bei den Normannen“ sehr fasziniert. Die Normannen in diesem Comic kannten keine Angst und waren der Ansicht, dass diese Flügel verleihe (und nicht der bewusste Energydrink 🙂 ). Also begaben sie sich auf die Suche nach Situationen, die Angst erzeugen könnten, damit sie das Fliegen erlernen. Denn sie gingen davon aus, dass „Flügel verleihen“ bedeuten würde, wie ein Vogel tatsächlich fliegen zu können.

Ich kannte damals den Spruch nicht, dass Angst Flügel verleihen würde und fragte mich, was das solle.

Es kam mir unlogisch vor.

Stress und psychische Belastungen bewirken im menschlichen Organismus u.a. eine starke Ausschüttung von Adrenalin. Adrenalin sorgt dafür, dass wir Menschen bei (eigentlich realen) Bedrohungen schneller fluchtbereit werden und schneller reagieren und uns schneller bewegen können, als ob wir wie ein Vogel wegfliegen könnten.

Und dies bewirkt, dass wir kampfbereiter werden und uns dem Angreifer stellen. Indem wir uns mit der Angst konfrontieren und sie bewältigen, gewinnen wir also auch sprichwörtliche Flügel.

Letzteres nennt man in der Therapiesprache „Exposition“ (= ich setze mich der Sache aus).

„Angst verleiht Flügel“ bedeutet blitzschnelle Flucht bzw. Vermeidung der Situation oder sich dieser zu stellen und sie durch Exposition zu überwinden.

Wer bei mir schon öfter mitgelesen hat, weiß, dass ich kein Fan von „Schwarz-Weiß“-Denken bin.

Es gibt nicht nur top oder Flop.

Leben findet in meiner Weltsicht zwischen den Polen statt.

Es gibt nicht nur „angstfrei“ oder „Angst immer und überall“, es gibt dazwischen viele Nuancen und eine gewisse Prise an Angst hat durchaus ihren Sinn, um – wie bereits oben gesagt – uns z.B. vor Leichtsinn und Verletzungen zu bewahren.

Sogar Ängste, die scheinbar irreal nach außen wirken, wie z.B. eine Angst vor Regenwürmern, weil diese eine gewisse Ähnlichkeit zu Schlangen haben, haben eine Art von Berechtigung.

Ängste und Panik können theoretisch jeden ereilen und ich setze mich dafür ein, Betroffenen und der Umwelt Mut zur Offenheit und zur Akzeptanz zu machen.

Angsterkrankungen sind weder Einbildung noch Gehabe.

Da sie von außen nicht so leicht wahrgenommen werden können, fehlt unserer Gesellschaft größtenteils das Verständnis für diese psychischen Erkrankungen.

Unbehandelt können Angsterkrankungen dazu tendieren, chronisch zu werden, ein Eigenleben zu entwickeln oder Folgeerkrankungen wie z.B. Depressionen oder Suchterkrankungen zu generieren.

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen:

ich wünsche mir mehr Akzeptanz für Menschen, die von Angst, Phobien und Panik geplagt werden.

In diesem Artikel stelle ich Fakten dar, die häufig Thema von Sitzungen sind.

Los geht´s !

Fakt 1: Viele Angstpatienten landen zunächst beim Internisten oder Hausarzt

Besonders diejenigen, die schon einmal eiskalt von einer Panikattacke erwischt wurden, landen meist beimArzt.

Sie kommen nicht darauf, dass das, was sie erlebt haben, seelisch bedingt sein könnte.

So herrscht anfänglich Ungläubigkeit, dass die Seele sich durch körperliche Merkmale meldet, die körperliche Untersuchung ist allerdings sehr sinnvoll. 

Nach einer Panikattacke landet so mancher erst mal beim Hausarzt.
Nach einer Panikattacke landet so mancher erst mal beim Hausarzt 

Ängste werden von körperlichen Erscheinungen wie z.B. Herzklopfen, schnellem Puls, Magenbeschwerden, dem berühmten Kloß im Hals, Schweißausbrüchen usw. begleitet. 

Die möglichen körperlichen Begleiterscheinungen sind vielfältig und bei jedem anders, mehrere Symptome können parallel bestehen.

In den meisten Fällen kommt bei einer körperlichen Untersuchung nichts heraus und es wird auf zu viel Stress oder Belastung getippt, vielleicht gibt es noch eine Nährstoffempfehlung und den Rat, langsamer zu machen oder sich auf gesunde Art zu bewegen.

Die gute Nachricht dabei ist, dass es dem Körper gut geht.

Nun darf man der geplagten Seele gestatten, sich zu erholen.

Fakt 2: Panik und Angst sind zwei verschiedene Dinge

Ich kläre zwar über die Unterschiede auf, aber meinen Klientinnen und Klienten ist es zumeist herzlich egal, ob das, was sie fühlen, Angst oder Panik ist. Hauptsache, es geht endlich weg.

Ich verstehe sie sehr gut. Sie haben aus ihrer Lage heraus betrachtet ja recht.

Zu kompliziert will ich es nun auch nicht machen.

Panik ist das Reagieren auf ein „Zuviel“ an allem möglichen Stress.

Es ist wie bei einem Luftballon: wenn nicht rechtzeitig Druck abgelassen wird, platzt er.

Stress sammelt sich an, wird entweder gar nicht erkannt, ignoriert oder heruntergeschluckt und plötzlich kommt es unvorbereitet zur Panikattacke, die man vornehmlich als Entgleisung des Körpers (wie Herzrasen, Schwindel, Sehstörungen,Zittern, Beklemmungen, Schwitzen oder Frieren, Atemschwierigkeiten...) wahrnimmt und glaubt, gleich ohnmächtig oder verrückt zu werden oder zu sterben.
Der große Knall kommt plötzlich 

Stress sammelt sich an, wird entweder gar nicht erkannt, ignoriert oder heruntergeschluckt und plötzlich kommt es unvorbereitet zur Panikattacke, die man vornehmlich als Entgleisung des Körpers (wie Herzrasen, Schwindel, Sehstörungen,Zittern, Beklemmungen, Schwitzen oder Frieren, Atemschwierigkeiten…) wahrnimmt und glaubt, gleich ohnmächtig oder verrückt zu werden oder zu sterben.

Der erlebte Kontrollverlust zieht Betroffenen den Boden unter den Füßen weg.

Zurück bleibt die Erwartungsangst oder auch Angst vor der Angst: ängstlich erwarten diejenigen, die solcheinen Panikanfall hatten nun zu jeder Zeit den nächsten.

Das kleinste körperliche Symptom kann sie denken lassen, dass es gleich wieder los geht.

Die auslösenden Stressoren können alles Mögliche sein: ob eine bereits bestehende Angsterkrankung oder Phobie, Verlusterfahrungen, Erfahrungen von Demütigung, Lieblosigkeit, Missbrauch, Traumata, nicht abgebaute negative Erlebnisse ob aus Kindheit und Jugend oder der Gegenwart, Überlastungund Überforderung, Trauer, Existenzprobleme, usw. – es gibt vielfältige Ursachen.

Im Verhältnis zu anderen Angststörungen macht bei der Panikstörung das „Zuviel“ den Unterschied.

Und auch der Überraschungseffekt wirkt verstärkend.

Betroffene fühlen sich eiskalt erwischt.

Dass der eigene Körper plötzlich so eskalieren kann und so unkontrollierbar wirkt, löst tiefeUnsicherheit aus und die Angst davor, dass es wieder so werden könnte.

Wie zuvor erwähnt: die Angst vor der Angst und der Verlust von Vertrauen in den eigenen Körper und implizit in sich selbst, sind die Zustände, die Menschen mit Panikerfahrung immer wieder bestätigen.

Die Gewissheit nach einer ärztlichen körperlichen Untersuchung, dass organisch meist alles in Ordnungist, lässt sie eher rätseln als sich freuen.

Andere Angststörungen wie Phobien, die generalisierte Angststörung und die soziale Phobie „wachsen“sozusagen mit. Sie entstehen durch Lernerfahrungen und Verknüpfungen getragen durch die jeweilige Bewertung der angsterzeugenden Umstände.

Die gedankliche Bewertung von Situationen oder Objekten/Lebewesen als „gefährlich“ ruft dann auch die körperlichen Reaktionen hervor.

Fakt 3: Entspannung beißt Angst

In der Fachsprache heißt dies „reziproke Hemmung“ und bedeutet, dass Angst bei gleichzeitiger Anwesenheit von Entspannung nicht oder nur gemindert aufkommt.

Wir kennen das Prinzip schon aus der Kindheit. Dazu eine kurze Story:

der kleine Hugo traut sich nicht, am Gartenzaun des Nachbarn vorbeizulaufen, weil dessen Hund jedes Mal,sobald jemand vorbeiläuft laut bellend und knurrend am Gartenrand hin- und herläuft.

Hugo möchte gerne seinen Freund besuchen, der neben diesem Garten wohnt, hat aber Angst, dass der kräftige Hund irgendwann den Zaun überwinden könnte. Bisher kam der Freund immer zu Hugo, nun finden aber alle, dass ein Gegenbesuch endlich mal angebracht wäre.

Hugos Mutter kennt das Dilemma und spricht mit ihrem Sohn darüber. Bisher weigerte er sich mit Händen und Füßen, am anderen Garten vorbeizugehen. Schon beim Erzählen regt sich der Kleine auf und weint. Der Mutter gelingt es immerhin, ihren Sohn durch logische Argumente zu beruhigen, z.B., dass das Tor aus Stahl sei und der Hund ja den Garten bewachen müsse und nichts gegen den Jungen persönlich hätte.

Am Ende sieht Hugo, dass vor allem die Lautstärke und das Springen des Hundes ihm unangenehm sind.

Er verabredet mit seiner, Mutter, erst mal gemeinsam mit ihr den Weg am Hund vorbei zum Freund zu machen. Die Mutter weiß, dass Hugo sich beruhigt und entspannt, wenn er an ihrer Hand ist und auch, dass ihr Sohn sehr gerne das Lied von der Biene Maja singt und dann dabei sehr gut drauf ist.

Beide vereinbaren, den Weg singend zu laufen. Und tatsächlich: es geht besser. Nach einigen Malen geht Hugo laut singend schließlich allein zu seinem Freund und irgendwann ist ihm der Hund egal und flößt ihmkeine Furcht mehr ein.

Was brachte den Wandel: Erzeugung einer gedanklichen Distanz durch logisches Argumentieren, die Entspannung durch das Halten der Hand und das Singen des Lieblingsliedes sowie das konsequente Einüben des Weges.

Man nennt dies auch Desensibilisierung.

Entspannung senkt den Stresshormonpegel. Das haben wir alle schon mal gehört. Dadurch sind wir weniger reflexgesteuert und können bewusster handeln und uns von den Dingen, die uns Angst machen anders distanzieren.

Entspannung senkt den Stresshormonpegel. Das haben wir alle schon mal gehört. Dadurch sind wir weniger reflexgesteuert und können bewusster handeln und uns von den Dingen, die uns Angst machen anders distanzieren.
Jeder kann die Form der Entspannung finden, die zu ihr oder ihm passt.

Die Frage vieler Menschen ist nun die, wie man in eine praktikable Entspannung kommt.

Auch hier ist der Weg wieder  individuell. Es gibt kein Patentrezept.

Die am meist empfohlene Entspannungsmethode für von Ängsten Betroffene ist die der progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson.

 Egal, für welche Methode man sichentscheidet: es gilt dranzubleiben und konsequent zu trainieren.

Die Idee ist, besonders in ausgeglicheneren Zeiten zu üben, um bei Belastung die Mechanismen auf Knopfdruck anzuwenden.

Die am häufigsten empfohlenen Entspannungsformen sind die erwähnte progressive Muskelrelaxation oder das autogene Training.

Aber es gibt noch mehr: z.B. Meditationen, Qi Gong, bestimmte Yoga-Übungen, Tai Chi, Klopftechniken, Massagetechniken, Aromatherapie, Klang(schalen)therapie, Fantasiereisen oder hypnotischeEntspannungen.

Manche Techniken eignen sich als Unterstützung für den Akutfall, andere wieder eher dafür, die innere Unruhe oder die Stressanfälligkeit grundsätzlich zu senken.

Kurse dazu gibt es mittlerweile überall. Es ist sinnvoll, zuvor unter 4 Augen mit der Kursleitung zusprechen, um zu klären, wozu das Angebot genutzt werden soll und sich professionell beraten zu lassen, denn nicht jede Methode eignet sich für jedes Anliegen.

Es gibt auch aktive Varianten der Entspannung, z.B. sog. Aktiv-Wach-Hypnosen oder schlicht Bewegung.

Man sieht, dass die Angebote sehr breit gestreut sind. Austesten ist hier das Motto. Die passende Variante ist eine Typusfrage.

Entspannungstechniken dienen als Ergänzung zur Therapie, um festzustellen, dass man als Betroffener sehr wohl aktiv der Angst etwas entgegenbieten kann,

was gleichzeitig das Selbstvertrauen stärkt, das Gedankenmuster und Kopfkino unterbricht

und einen bewusster für mögliche Auslöser macht und so das eigene Achtsamkeitspotential unterstützt.

Fakt 4: Menschen haben von Natur aus sehr viel Bewältigungspower

Ich sage sogar, dass Menschen zumeist richtige Expositionsexperten sind.

Es gibt die Redensart, dass „man ins kalte Wasser geschmissen wurde“. Dies bedeutet, dass ein Mensch abrupt mit einer Situation klarkommen musste, ohne zuvor die Möglichkeit zur Eingewöhnung gehabt zu haben.

Das ist Exposition.

 Wer je als Kind im Schwimmbad auf demSprungbrett stand, hinter sich die lange Schlange, die den Rückweg versperrte und vor sich die Höhe des Brettes und die Tiefe des Beckens, versteht dies ohne große Erklärungen.

Exposition: Es gibt die Redensart, dass „man ins kalte Wasser geschmissen wurde“. Dies bedeutet, dass ein Mensch abrupt mit einer Situation klarkommen musste, ohne zuvor die Möglichkeit zur Eingewöhnung gehabt zu haben.
Da steht man nun oben auf dem Sprungbrett…

So oft erleben wir Menschen Situationen, in denen es kein Zurück gibt. Gedanklich hatten wir sie zuvor gefürchtet.

Doch in solch einer steckend und wohl wissend,dass es keine Alternative gibt, ist keine Zeit mehr für Überlegungen.

Wir müssen dann einfach durch.

Der dabei passierende Adrenalinausstoß treibt uns dabei regelrecht an und hinterher heißt es dann beispielsweise:

„Ich hatte auf einmal solche Kräfte , ich weiß gar nicht, woher.“

Jeder von uns, das behaupte ich einfach einmal, hat in seinem Leben schon einige solcher Situationen erlebt.

Im glücklichen Fall hat das Durchstehen einem Mut gemacht, im weniger glücklichen hat sich die Angst verstärkt.

Doch mit Exposition ist nicht zu spaßen. Trotz der von Natur aus gegebenen Bewältigungspower, sollten Menschen, die vorhaben, sich einer Exposition auszusetzen,

dies unter therapeutischer Anleitung tun und zuvor ihren Arzt bezüglich ihres Vorhabens konsultiert haben,

um festzustellen, ob der eigene Organismus der Belastung standhalten würde.

Fakt 5: Ängste können auch rein organisch bedingt sein

Dieser Fakt ist weniger bekannt.

Es ist sinnvoll, als Angstpatient ein großes Blutbild machen zu lassen,denn es gibt einiges, was nur durch eine Blutuntersuchung zu entdecken ist und Grund für die Entstehung von Angst oder Panik sein kann.

Solch eine Untersuchung kann unnötige Odysseen durch psychotherapeutische Praxen ersparen, sofern die Ängste eben auf körperlichen Ursachen basieren.

Z.B.: Erkrankungen und Entgleisungen der Schilddrüse, Formen von Diabetes, bestimmte Herz- und Lungenerkrankungen, dementielle und zerebrale Erkrankungen, entzündliche Prozesse des Darms.

Auch Störungen des Hormongeflechts oder Umschwünge wie z.B. während der Wechseljahre können Ursachen darstellen ebenso wie ungenügende Nährstoffspiegel z.B. durch Zöliakie oder Unverträglichkeiten.

Medikamentöses Einstellen könnte dann je nach Befund Hilfe bringen.

Sollte organisch alles im Lot sein,kann man zumindest körperliche Erkrankungen als Grund ausschließen.

Immerhin ein kleiner Trost.

Fakt 6: was immer wieder verwechselt wird – Klaustrophobie und Platzangst

Manchmal höre ich, wenn jemand sich im Fahrstuhl oder einem engen Raum nicht wohlfühlt, dass er oder sie „Platzangst“ habe.

Damit meinen diese Menschen oft, dass sie Angst vor einem bestimmten Ort haben.

 Die Angst vor z.B. Aufenthalt in Fahrstühlen oder engen Räumlichkeiten heißt Klaustrophobie.

Der Begriff stammt vom lateinischen Wort „claudere“ (schließen,verschließen).

Also Angst vor verschlossenen Räumen.

Die Angst vor z.B. Aufenthalt in Fahrstühlen oder engen Räumlichkeiten heißt Klaustrophobie. Der  Begriff stammt vom lateinischen Wort „claudere“ (schließen, verschließen). Also Angst vor verschlossenen Räumen.
Einst ein Aufzug – heute ein „lost place“ 

Auch auf öffentlichen Plätzen kann ein Mensch Angstgefühle erfahren, das heißt dann Agoraphobie

(Agora kommt aus dem Griechischen und bedeutet Platz, Marktplatz, Sammelplatz).

Im Deutschen sagen wir dazu Platzangst. Betroffene stellen fest, dass das Nichtvorhandensein eines Fluchtweges die Angst erzeugt. Nun wird man sich fragen, wie diese Menschen darauf kämen, schließlich, böten offene Plätze genug Fluchtmöglichkeiten.

Ich erkläre dies mal anhand der Geschichte eines an Reizdarm erkrankten Herrn.

Dieser Herr ging eines Samstags auf den Marktplatz , um einzukaufen. Zwischen den Ständen eskalierte es in seinem Darm und er hatte das Gefühl, dessen Inhalt nicht mehr halten zu können. Er sah keine öffentliche Toilette und fürchtete, zum Gespött zu werden, weil er gleich „auslaufen“ könnte.

Der Stress und die Erfahrung von Hilflosigkeit konditionierten in ihm die Platzangst. Seitdem wagte er sich nicht mehr auf öffentliche Plätze.

Von Platzangst betroffene Menschen erfahren diese ebenfalls z.B. in öffentlichen Einrichtungen wie Kinos und Theatern, in öffentlichen Verkehrsmitteln, beim Schlangestehen an der Kasse oder in Einkaufsläden.

Der Gedanke, nicht mehr heil vom Fleck zu kommen, erzeugt und bestärkt die Platzangst.

Fakt 7: Angst vorm Autofahren ist nicht ungewöhnlich

Doch die Dunkelziffer ist hoch.

Statistisch gesehen leiden ca. 15 % der Bevölkerung in Deutschland pro Jahr an einer Angststörung. Das sind allerdings die bekannten Fälle.

Sich plötzlich nicht mehr auf die Straße mit dem Auto zu trauen, ist so manchem dann peinlich und wird verschwiegen.

Nerven- und zeitzehrende Strategien zum Umfahren oder Vermeiden bestimmter Strecken oder Straßenarten werden konstruiert, nur um die eigene vermeintliche Schwäche nicht preisgeben zu müssen.

Das medizinische Fachwort für Angst vorm Autofahren lautet „Amaxophobie“. Manchmal ist es klar, wo sie herkommt, z.B. durch einen Unfall oder durch eine Panikattacke beim Fahren.

Sehr oft ist die Amaxophobie eine Zusatzerscheinung bei einer bestehenden Angst- oder Panikstörung, die erst nach einer gewissen Zeit nach Beginn der Erkrankung quasi als unerwünschtes Gastgeschenk auftaucht und zusätzlich am Selbstvertrauen knabbert.

Der Entstehungsgrund erscheint in solchen Fällen erst mal unklar zu sein.

Wer unter Amaxaphobie leidet, lässt das Auto lieber stehen und nimmt Umwege in Kauf.
Sich plötzlich nicht mehr auf die Straße mit dem Auto zu trauen, ist so manchem dann peinlich und wird verschwiegen.

 Zum Bestehen einer Angst vorm Autofahren ob als alleiniger Zustand oder parallel auftauchend gibt es leider zu wenig statistisches Material.

Jedoch beobachte ich durch die Schilderungen meiner Klientinnen und Klienten ein Häufigerwerden dieser Phobie.

Viele Angstpatienten stehen ihr Leid mutterseelenallein aus und sehen keinen Anlass, sich Hilfe zu holen.

Ich möchte ermutigen, nicht erst zu warten, bis sich eventuelle Parallelerscheinungen wie z.B. die erwähnte Autofahrphobie eingestellt haben, sondern möglichst zu Beginn der Angsterkrankung.

Fakt 8: Angst ist ein schlechter Motivator

Egal, was wir vorhaben, ob wir das Rauchen sein lassen wollen, einen Partner suchen , bessere Noten erhalten oder mehr Geld verdienen möchten:

steht Angst als Motivator dahinter, handeln wir nicht mehr aus eigenem Interesse (so komisch sich das jetzt lesen mag), sondern werden durch dysfunktionale Gedanken gesteuert, deren Realitätsgehalt fraglich ist.

Dazu ein kleines Beispiel:

eine Dame wünschte einiges an Gewicht abzuspecken, weil ihre eigene Mutter selbst einst übergewichtig war, das sog. metabolische Syndrom entwickelt hatte und zu früh starb.

Nun hatte die bewusste Dame Angst, dass sie selbst ein gleiches Schicksal erleiden könnte und wollte partout und schnell abnehmen.

Die Angstgedanken und der innere Kampfmodus (jetzt- sofort– um jeden Preis!) bewirkten sehr viel Stress in ihr und so schüttete ihr Organismus einen konstant hohen Stresshormonpegel aus,

der blöderweise ihren Stoffwechsel einbremste und sogar noch Hungerattacken hinausschickte sowie den sog. Jojo-Effekt mit sich brachte.

Angst fördert einen kontinuierlichen Stress, der einen negativen Einfluss auf Stoffwechsel und Hunger haben kann.

Angstgedanken erzeugen einen inneren Film, der durch seine Bilder eine dermaßen starke Eindruckskraft hat, dass Betroffene überzeugt sind, dass dies wahr sein muss.

Nachdem die Dame gelernt hatte, sich von den angsterzeugenden Gedanken und Bildern zu distanzieren, hatte sie einen völlig anderen Zugang zum Projekt Gewichtsreduktion und fand ihren eigenen Weg.

 Mag sein, dass mancher sagt, die Angst hätte ihn oder sie erst recht angetrieben, um ein Ziel zu erreichen.

Ausnahmen bestätigen die Regel.

Betrachtet man diese diese Ausnahmefälle über einen längeren Zeitraum, ist oft zu erkennen,

dass sich die Erhaltung des Ziels nicht dauerhaft bewerkstelligen ließ oder andere weniger zielführende Wege zur Kompensation des Angststresses unbewusst gesucht wurden.

Fakt 9: Betroffene wissen sehr wohl, dass ihre Ängste unlogisch sind

Sie wissen, dass Nichterkrankte ähnliche Situationen anders als sie bewältigen.

Trotz bester Vernunft und aller Logik schaffen sie es nicht ohne weiteres, ihrer Angst die rote Karte zuzeigen.

Angst hat nichts mit Logik und Vernunft zu tun.

Sie ist ein Muster, das durch Verknüpfung auf mehr oder weniger unbewusster Ebene entstand.

Oft fühlen sich Betroffene schuldig und schämen sich, was zusätzlichen Stress bedeutet.

Außenstehende können das Verhalten oft nicht nachvollziehen.

Um sich eventuellen Ängsten nicht aussetzen zu müssen, werden anstrengende Strategien angewendet.

Taubenphobiker wechseln die Straßenseite, sobald eine Taube auf dem Gehsteig landet.

Agoraphobiker fahren nicht mehr in den Urlaub , Panikpatienten meiden die Orte, an denen sie Attacken hatten, Menschen mit Autofahrangstfahren unglaubliche Umwege, usw.

Wer an Angst oder Panik leidet, lebt zu oft unter Strom.

Theoretisch kann es jedem Menschen passieren, eine Angststörung zu entwickeln.

Eine Pille einzuwerfen oder nur mit logischen Argumente die Angst zu entkräften, genügt meist eben nicht.

Es ist nichts, das auf Knopfdruck behoben werden kann.

Denn jede Angst hat ihre eigene Dynamik und neuronale Vernetzungsgeschichte.

Aus Gesprächen mit Menschen, die ihre Angststörung überwunden haben, erfahre ich immer wieder,

dass sie sich dadurch neu und liebevoll kennengelernt hätten und so mancher hatte auch den Eindruck, dass das erfahrene Leid „irgendwie seinen Sinn“ gehabt hatte.

Um positiv über sich selbst reflektieren zu können, wünsche ich niemandem eine Angsterkrankung.

Was Angstpatienten gut tut, ist von ihrer Umwelt nicht als „der oder die mit der komischen Angst“ betrachtet zu werden,

sondern als Mensch, der trotz seines momentanen Handicaps zu ganz vielen Dingen weiterhin in der Lage ist.

Du suchst Hilfe bei Angst, Panik oder Phobien ? Ich stehe Dir gerne mit ganzheitlicher Psychotherapie, Hypnosetherapie und EMDR zur Seite!


Ich wünsche Dir gute Gedanken und Gefühle jederzeit!

Herzlich grüßt Dich

Claudia

P.S.: alle verwendeten Bilder in diesem Artikel stammen aus dem lizenzfreien Repertoire von pixabay.com

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